Gunther von Hagens

Gruselleichen, Gestaltplastinate und Bestattungszwang


Gunther von Hagens: "Gruselleichen, Gestaltplastinate und Bestattungszwang", ein Beitrag aus dem Buch "Schöne Neue Körperwelten - Der Streit um die Ausstellung" (2001).


Die Gruselleiche der Anatomie

»Der volle Leichensaal ist kein Eden [...]. Für zarte Nerven war er seit jeher ein Gegenstand des Entsetzens, und die mit wenigen Ausnahmen kurze Lebensdauer der Anatomen lässt sich begreifen, wenn sie in solchen Räumen abzulaufen hat. Die mit der Zeit sich einstellende Abstumpfung hebt die Schädlichkeit nicht auf und zeigt, was der Mensch alles überwinden lernt, wenn ihn der Geist des Forschens selbst an solche Quellen der Wahrheit führt.«

Dies schrieb der Anatom Hyrtl 1860 zu einer Zeit, als sich die Anatomen ihre Leichen noch vom Galgen holten und öffentlich sezierten.1 Wegen der schnellen Verwesung im Sommer konnten die öffentlichen Sektionen nur in der kalten Jahreszeit stattfinden.
Für die anatomische Ausbildung war die Erfindung des Formalins gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine große Erleichterung. Seither wird es zur Fixierung von Leichen angewendet. Die Verwesung wird gestoppt und es wird möglich, die Anatomieleiche unabhängig von den Jahreszeiten und über mehrere Monate hinweg zu präparieren. Dennoch ist der Anatomieleiche bis heute ein gewisser Grusel, eine emotionale Abscheu eigen geblieben, ihre psychologische Wirkung auf den Studierenden ist kritisch. So beschreibt Herbert Lippert, Anatom in Hannover, 1984 im Deutschen Ärzteblatt die Anatomieleiche als »dehumanisierend«.2 Da sie den Anatomischen Unterricht monopolisiere, sei dieser »zu wenig auf den Lebenden ausgerichtet«. Die Leiche »gewöhnt den Studenten daran, keine Gefühlsäußerung des Patienten zu erwarten«. Er »wird allmählich nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als Problem betrachtet. [...] Trotz aller offiziell beteuerten Hochachtung vor dem Körperspender können sich die meisten Studenten nicht vorstellen, dass aus ihrer Familie jemand seinen Körper der Anatomie vermacht.«
Was macht die Anatomieleiche so unbeliebt? Die Tatsache, dass sie tot ist, kann nicht entscheidend sein. Gestaltplastinate sind genauso tot wie Anatomieleichen, und dennoch unterschreiben täglich etwa fünf Besucher der »KÖRPERWELTEN«-Ausstellung die Körperspende zur Plastination. Dagegen habe ich es in meiner zwanzigjährigen Zeit als Universitätsanatom nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein Student oder ein Kollege zum Körperspender für die Anatomie wurde. Es muss also einen fundamentalen Empfindungsunterschied zwischen der Anatomieleiche und den Gestaltplastinaten der Ausstellung geben.
Der Grund dafür ist unschwer auszumachen. Mit der »Gruselleiche« der Anatomie kann sich der Betrachter emotional nicht identifizieren. Aufgedunsen, entfärbt und von beißendem Formalingeruch ist sie das unverzichtbare, aber notwendige Übel praktischer Anatomie. Die Studenten, viele erstmals ein Skalpell in der Hand, sind mit der Präparation überfordert. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ist das Ergebnis nur allzu oft ein »Massakerpräparat«. Diese studentische Leichenverwüstung trägt zusammen mit zunehmender Vertrocknung und der damit verbundenen Braun- und Schwarzfärbung der Anatomieleiche zur »Vergruselung« bei. Dass sie dennoch für die anatomische Ausbildung von Wichtigkeit ist, liegt in ihrer Authentizität begründet. Auch noch so gute Bilder oder Modelle können das Original nicht ersetzen, so wie die Betrachtung eines Landschaftsbildes oder einer Computeranimation nicht zu einer realistischen Vorstellung vom Wald führen kann. Das authentische anatomische Präparat macht das Körperinnere im doppelten Wortsinne »begreifbar«.


Neue Gestaltungsmöglichkeiten durch Plastination


Plastinate sind echte anatomische Präparate. Sie sind dauerhaft konserviert, weil ihr Gewebswasser und lösliches Gewebsfett zunächst durch eiskaltes Aceton und danach durch Kunststoff im Vakuum ersetzt wurden. Die verwendeten Reaktionskunststoffe wie Silikonkautschuk oder Epoxidharz werden nach der Durchtränkung ausgehärtet. Dadurch sind Plastinate trocken, geruchlos und detailgetreu bis in den mikroskopischen Bereich hinein. Sie können flexibel, fest oder sogar transparent sein.3 Das macht sie zu den natürlichsten und haltbarsten Dauerpräparaten, seit es Anatomie gibt.
Durch die Härtung des Kunststoffs im Präparat kommt es zu einer durchgehenden Gewebsverfestigung, so dass nicht mehr nur die Knochen, sondern auch Muskeln und andere Weichgewebe Haltefunktionen übernehmen können. Dadurch lässt sich der anatomisch präparierte Körper nicht [nur] aufrecht stellen, wie es bisher nur mit Skeletten möglich war, sondern es eröffnen sich darüber hinaus völlig neuartige präparatorische Darstellungsformen. So gelingt es beispielsweise erst durch die Plastination, den Muskelapparat völlig isoliert von seinem eigenen Skelett in aufrechte Pose zu stellen; ohne den gehärteten Kunststoff würden die Muskeln in sich zusammenfallen.
Weil solche Körper gestaltet sind, nenne ich sie Gestaltplastinate. Die Gestaltgebung muss strategisch geplant werden; das Thema bestimmt dabei die Pose. Bei der Gestaltung unterscheide ich zwischen der anatomisch korrekten Positionierung, der Bewegungspose und der Fragmentierung des Körpers.


Die Pose

Das mit Silikonkautschuk durchtränkte, aber noch nicht gehärtete, flexible Ganzkörperpräparat ist ein »Präplastinat«, das erst durch die Härtung des Silikons zum Plastinat wird. Die Härtung kann jedoch nicht sofort nach der Herausnahme aus dem Silikonbad erfolgen, denn wenn es tropfend dem Bad entnommen wird, ist es zunächst ein zusammengefaltetes Häuflein Stofflichkeit. In dieser Situation besteht geradezu ein Gestaltungszwang, die Notwendigkeit zur Pose – auch wenn dies nur die aufrechte Körperhaltung ist. Darüber hinaus müssen alle herauspräparierten Strukturen, jedes Organ, jeder Nerv und jedes Gefäß korrekt anatomisch positioniert werden, bevor die Kunststoffhärtung die Pose unwiderruflich verfestigt. Ein falscher Winkel auch nur eines der acht unmittelbar aus dem Herzen austretenden Gefäße, und dieser Fehler kündet über die Lebenszeit des Plastinators hinaus. Ein Ganzkörperpräparat benötigt an die tausend Stecknadeln, Schaumstoffkissen und haltende Drähte, bis jede Struktur in anatomisch korrekter Position fixiert ist und gehärtet werden kann.
Bei den ersten Ganzkörperplastinaten richtete ich die Pose nach den zu zeigenden anatomischen Strukturen aus, ohne Rücksicht auf die Wirkung der Gesamtgestalt. Im Ergebnis wirkten die Präparate entweder starr wie leblose Puppen, oder aber sie sahen unnatürlich verdreht, ja geradezu grotesk aus, wenn beispielsweise der Unterschenkel zur besseren Ansicht der Fußsohle gebeugt oder der Kopf zur besseren Ansicht der Unterkiefer-Hals-Region in den Nacken gelegt war. Es wurde offenbar, dass die instruktive Wirkung anatomischer Darstellungen erheblich von der ästhetischen Gesamtwirkung des Gestaltplastinats beeinflusst wird. So wie die Wirkung eines Bildes vom Rahmen und umgekehrt bestimmt wird, gehen auch Pose und Instruktion im Gestaltplastinat eine Wechselbeziehung ein. Für spezielle anatomische Themen eignen sich einige Körperposen mehr, andere weniger. Jede Pose, jede Körperhaltung hat ihr spezifisches instruktives Potential. So erfordert konkret die Darstellung eines künstlichen Schulter-, Ellenbogen-, Hüft- und Kniegelenks die Beugung der jeweiligen Gelenke. Wie Abb. 1 zeigt, können diese gebeugten Gelenke harmonisch in der Pose eines Tänzers gezeigt werden.
Es waren die Anatomiekünstler der Renaissance, die erstmals den Abstand zwischen der anatomierten Leiche und dem Lebenden verringerten, indem sie Ganzkörperpräparaten Bewegungsposen gaben. Zu bewundern ist dies auf vielen Abbildungen; auch gibt es noch einige Trockenpräparate aus späterer Zeit, zumeist jedoch in erbarmungswürdigem Zustand.4 Die lebendige Pose dieser Muskelmänner gibt dem Präparat eine Illusion von Leben zurück, die den Gedanken an Leiche und Trauer zurückdrängt, ja aufzuheben vermag. Die Bewegungsillusion bei der Betrachtung lebensnah positionierter Gestaltplastinate beruht auf der unbewussten Erinnerung visueller Bewegungsbilder. Die Bewegungspose animiert das Gestaltplastinat in der Vorstellung des Betrachters. Dies gelingt besonders, wenn typische Bewegungsmomente verdichtet oder gar überhöht werden. Konkret heißt das beim Läufer, den ausholenden Schritt bis in den phantastischen Bereich hinein zu vergrößern. Dies ist im Prinzip die gleiche Technik, mit der auch der Bildhauer den Marmorblock durch das Herausarbeiten einer Bewegungsskulptur verlebendigt.
Die lebensnahe Pose nähert das Gestaltplastinat so sehr dem Lebendigen an, dass der Betrachter in ihm seine eigene Leiblichkeit erkennen oder sogar erfühlen, sich mit ihm identifizieren kann.
Das Gestaltplastinat ist kein Trauerfall, es ist ein Lehrpräparat. Trauer behindert das Lernen, die Gedanken schweifen ab. Deshalb versuche ich, das Gestaltplastinat so lebendig wie möglich erscheinen zu lassen. Befreit vom Makel des Ekels wird so eine lebendige, ganzheitliche Anatomie möglich, bei der sich der Betrachter von der Echtheit faszinieren lassen kann.
Gerade die ganzheitliche, lebensnahe Darstellung lässt nicht vergessen, dass jedes Plastinat ein ganz individuelles Leben repräsentiert. Jedes Plastinat ist ein anatomischer Schatz, individuell bis in den mikroskopischen, ja bis in den genetischen und damit molekularen Bereich hinein. Insofern beweist das Gestaltungsbemühen des Plastinators geradezu seine Intention, den menschlichen Körper aufzuwerten. Damit wird der ethische Vorbehalt, dass in der Gestaltplastination »der menschliche Leichnam [...] als Sache entwürdigt wird«, entkräftet.5
Die Illusion der Verlebendigung läßt sich durch eine markante Gesichtspräparation, eine emotionale Pose, lebenstypisches Beiwerk wie Accessoires, Kleidung, Werkzeuge und durch das Schaffen von den dem Betrachter vertrauten Lebensräumen wie den Arbeitsplatz oder die freie Natur noch verstärken. Zur Bewegungsillusion tritt die Funktionsvorstellung. Wenn das Plastinat »Schach spielt« oder »reitet«, wird der Tod in geradezu humoristischer Weise an das Leben herangeführt. »Das nicht wegzudenkende Besondere an den Ganzkörperplastinaten ist der Humor (die Pose, wie einer der wenigen haßerfüllten Besucher als Hauptgrund seiner Ablehnung angibt), mit dem es von Hagens ganz offensichtlich gelingt, die Energie der Drohung, die aus der Verdrängung ausstrahlt, in Lust umzuwandeln, ohne Wunsch und Verbot zum Bewußtsein durchdringen zu lassen [...].«6


Fragmentierte Gestaltplastinate

Die traditionelle anatomische Präparation ist wegnehmend. Das Körperinnere wird schichtweise entblößt, »herunterpräpariert«, wie es bezeichnenderweise heißt. Zunächst wird die Haut entfernt, dann die Muskeln, gefolgt von der Entnahme der Organe, bis nur noch die Knochen und Bänder übrigbleiben. Darin liegt auch die Schwäche dieser Präparation, denn am Kursende hat der Studierende häufig vergessen, was er am Kursbeginn weggeschnitten hat. Laien sind solche »Restpräparate« noch unverständlicher.
Im Studium der Architektur und der Ingenieurswissenschaften ist es dagegen üblich, komplexe dreidimensionale Situationen in so genannten Explosionsmodellen zu vermitteln, die nichts weglassen, sondern die Strukturen durch Auseinanderschieben der Einzelkomponenten darstellen. Durch deren Auseinanderweichen wird struktureller Einblick möglich, der die kompakte Dreidimensionalität verstehen hilft.
Als ich zum ersten Mal einen anatomischen Atlas aufschlug, wunderte ich mich, wie ich dort Bild für Bild in großen Schritten in die Tiefe des Körpers geführt wurde, doch die Zwischenstrukturen, die mir das dreidimensionale Verständnis ermöglicht hätten, waren nicht zu sehen. Als Student lernte ich, dass es sich bei den vermissten Gewebslücken vor allem um Fett- und Bindegewebe handelte, das im Präparierabfall landet. Der so genannte Sprengschädel, der Einblick in seine komplexe Knochenstruktur durch Auseinanderweichen seiner Einzelknochen ermöglicht, ist das bisher einzige Explosionspräparat der Anatomie. Verständlich, denn man braucht zur Fragmentierung Härte, die Weichgeweben vor Erfindung des Plastination nicht gegeben werden konnte.
Fragmentierte Ganzkörperpräparate können aufgeklappt, aufgeschoben, aufgefächert, ja »explodiert« ihr Innenleben zeigen. Dazu werden Körperfragmente expandiert, als Körpertüren geöffnet oder wie Schubladen gegeneinander verschoben. Es werden durch Auseinanderweichen Einblicke geschaffen, ohne dass Organe oder gar Körperteile weggenommen werden müssen. Damit werden bisher nicht gesehene Schauräume des Körperinneren eröffnet. Fragmentierte Gestaltplastinate sind dann gelungen, wenn das Arrangement den Betrachter nahezu zwangsläufig veranlasst, die auseinandergeführten Körperfragmente in ihre Ursprungspositionen zurückzuführen, den Körper vor dem geistigen Auge wieder zu schließen. Damit kommt es zur gedanklichen Animation der fragmentierten Gestaltplastinate im Auge des Betrachters, die deren Eindrücklichkeit noch steigert.
Der praktischen Fragmentierung und Expansion geht die gedankliche, zwischenraumschaffende Präparation voraus. Sie ist die mein Vorstellungsvermögen am intensivsten beanspruchende Form gestalterischen Denkens, die ich erst nach fünfzehn Jahren präparatorischer Arbeit zu beherrschen begann. Die ersten Jahre lehrte ich Anatomie nach Bildern, wie ich sie in Atlanten und im Präparierkurs kennen lernte. Dozierte ich Anatomie, tauchten diese Bilder hilfreich vor dem geistigen Auge auf. In meiner Vorstellung ähnelte der menschliche Körper damals mehr einem Steckmodell als dem echten, dicht strukturierten Körperinneren. Nach der Erfindung der Scheibenplastination und der täglichen anatomischen Beschäftigung mit plastinierten Körperscheiben verdichtete sich mein anatomisches Wissen. Meine Vorstellung vom Körperinneren wurde kompakt, weil es mir drei Millimeter dünne Serienscheiben erlaubten, stets nachzuschauen, wie sich Strukturen im Körper ausbreiten, welche über und unter ihnen, welche rechts und links davon, welche vor und hinter ihnen liegen. Zur Verdichtung meiner anatomischen Vorstellung trug bei, dass ich über Jahre Studierende in Seminaren aufforderte, sich gedanklich in beliebige Körperstrukturen zu versetzen, Pfeile in alle Richtungen des Raumes abzuschießen und den dabei beschrittenen anatomischen Weg genau zu beschreiben. Hilfreich bei der Etablierung neuer Ansichten des Körperinneren ist es, anatomische Bilder nicht daraufhin anzusehen, was sie zeigen, sondern zu analysieren, was sie nicht zeigen. Warum beispielsweise wird die Ohrtrompete nie von unten, die Gesäßmuskulatur nie von vorn gezeigt? Inzwischen hilft mir bei derlei Überlegungen eine ca. 20 000 Anatomiebilder umfassende Datenbank aus fünf Jahrhunderten, die ich beständig erweitere.

Als mir die etwa 5000 anatomisch benennbaren Strukturen des Körperinneren so vertraut waren wie jedem die eigene Körperoberfläche, brauchte ich keine Bilder mehr, um zu wissen, wo die Strukturen genau in der Tiefe liegen. So wie jeder seine Wohnung in der Vorstellung durchlaufen kann, so begann ich gedanklich den menschlichen Körper zu durchstreifen. Im Gegensatz zur Wohnung ist im Körper alles zwischenraumlos dicht an dicht gepackt, liegt Struktur an Struktur. Ich bewege mich deshalb gedanklich nicht zwischen anatomischen Strukturen, sondern in ihnen. Ich durchstreife Organe, Knochen und Muskeln und rutsche durch Nerven, so als ob ich mich im dicht gepackten Vorratskeller durch Kartoffel- und Erbsensäcke und dazwischen liegende Stromkabel bewegen würde. Dem die Feldfrüchte umspannenden Sackleinen entspricht dabei im Körper das die Organe, Muskeln und Leitungsbahnen umhüllende Bindegewebe. Nun brauche ich nur noch aufmerksam die Umgebung zu betrachten, umgebende Organe oder Teile davon wegzudenken, um völlig neue Körperlandschaften entstehen zu lassen. Diese werden gedanklich freigelegt durch Entfernung, Verschiebung oder Trennung davor liegender Strukturen. So kann der die Bauchspeicheldrüse verdeckende Magen durch Wegnahme, Verschiebung nach oben oder durch Zertrennung und seitliche Verschiebung sichtbar gemacht werden. Stets habe ich bei solch invasivem Freilegungsdenken die Wahl, Strukturen entweder geometrisch durch Schnitt oder funktionell, entsprechend ihrem natürlichen Oberflächenrelief zu trennen.
Doch nicht nur im Körper selbst, auch von außen nach innen können lehrreiche Trennflächen in den Körper hineingedacht werden. Diese werden gedanklich zu Spalten erweitert, interessierende Strukturen gegebenenfalls auf die instruktivere Seite gedacht und schließlich die Spalten zu ästhetisch ansprechenden Schauräumen des Körperinneren gestaltet. So entstehende Gestaltplastinate müssen immer wieder an- und weitergedacht werden, vergleichbar einer Blindschachpartie, wenn die Züge nur angesagt werden und sich die vor dem geistigen Auge stehende Figurenkonstellationen gedanklich im Fortlauf des Spieles beständig verändern. Die Züge werden auch umso besser, je häufiger sie überdacht und gegebenenfalls gedanklich geändert werden. Die Stellung der Fragmente wird dabei durch isoliertes Bewegen vor dem geistigen Auge optimiert. Je zügiger dieses Bewegen vor dem geistigen Auge in allen drei Raumrichtungen nacheinander gelingt, umso besser lassen sich Alternativen auswählen und Entscheidungen treffen, welches der gerade gedachten Körperbilder der Zielvorstellung am nächsten kommt.
»Explosionspräparate« des ganzen Körpers nenne ich fragmentierte Gestaltplastinate. Sie dienen in besonderem Maße dem Verständnis der in das Präparat hineinschauenden Laien, welche die Gesamtheit des Körpers zur Erkenntnis brauchen. Die aus der Fragmentierung des Körpers resultierenden ungewöhnlichen Körperformen sind dabei notwendige Folge, aber nicht Ziel meines gestalterischen Bemühens. Der heutigen, rein auf studentische Lehre und Forschung ausgerichteten makroskopischen Anatomie ist jeder Gestaltungszwang fremd, ist es doch gar nicht möglich, die nasse Formalinleiche aufrecht zu stellen und ihr Haltung zu verleihen. Insofern ist es verständlich, wenn Fachanatomen schon mal die »durch kein didaktisches Prinzip zu rechtfertigenden Leichenpräparate« der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« kritisieren, bricht sie doch mit jahrzehntelangen anatomischen Sehgewohnheiten.7 Die Reaktion der Besucher der »KÖRPERWELTEN« zeigt, dass die zwischenraumschaffende Darstellung, die ohne Wegnahme auskommt, traditionellen Restpräparaten bei der Vermittlung ganzheitlichen anatomischen Wissens überlegen ist.


Gestaltungsbeispiele

Läufer
Der Läufer ist weltweit das erste und bisher einzige anatomische Ganzkörperpräparat, an dem sowohl das Skelett als auch alle Muskeln gleichzeitig sichtbar sind. Dafür wurden die Muskeln an ihren fleischigen, meist rumpfnah liegenden knöchernen Ursprüngen abgelöst und in Gruppen abgeklappt oder seitlich verschoben. Zur problemlosen Rundumbetrachtung war es nötig, die Extremitäten vom Rumpf weg, z. B. nach vorn oder hinten zu führen. Daraus ergab sich zwangsläufig die Position des Läufers.

Wenn hier für einige »Assoziationen an Baron Frankenstein« geweckt werden,8 so ist dies für mich ein Indiz für die mir von Bazon Brock vermittelte Erkenntnis, dass unterschiedliche Denkrichtungen zu gleichen Gestaltungsergebnissen führen können.9 Entsprechend wird der Läufer unterschiedlich bewertet. Die Beurteilung des Präparats reicht von »insbesondere für Krankengymnasten« eine »einzigartige synergistische Betrachtung des Bewegungsapparates«10 über »ein Bild wie aus dem Gruselkabinett: [...] Er ist nackt, mehr noch: [...] Die Fleischfetzen hängen herunter [...]«11  bis zum »Götterboten Merkur auf Schwingen«.12

Liegende Schwangere (Abb. 2)

Die Positionierung des Gestaltplastinats Liegende Schwangere war schwierig: Der Körper sollte nicht leblos wirken und dabei einen optimalen Blick auf den Fötus in der Gebärmutter erlauben, gleichzeitig aber auch der doppelten Todestragödie gerecht werden. Die körperliche Beschwerlichkeit einer fortgeschrittenen Schwangerschaft legte die liegende Pose nahe. Dabei half die seitliche Aufrichtung des Oberkörpers, der Pose die gewünschte Lebendigkeit und notwendige Spannung zu verleihen. Der Kopf wurde mit geschlossenen Augen zur Seite geneigt, also bewusst vom Betrachter abgewendet, und die Hand des freien Armes wie beim Kopfschmerz an den Hinterkopf gelegt. Damit unterscheidet sich diese Pose in ihrer Körpersprache grundlegend von einer lasziven Provokation, bei welcher der Kopf kokett nach hinten geworfen wäre und sich die Augen auffordernd auf den Betrachter richteten.
Zwei Beurteilungen, die sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen deutlich werden lassen, sollen zitiert werden: »Das Bild der Schwangeren geht mir nicht aus dem Kopf. Ich bin Mutter von vier Kindern. Das Wunder der Schwangerschaft aber habe ich erst vor dieser Figur begriffen.«13  Dagegen: »Eine plastinierte Schwangere in Pin-up-Pose kommt Kerstin geschmacklos vor.«14


Expansionsbeispiele

Der »Explosionsschädel« ist das einzige in der traditionellen Anatomie bekannte Beispiel expandierter Präparation. Dabei werden alle zuvor separierten Einzelknochen des Schädels in Art eines anatomischen Urknalls gezeigt, als ob sie auseinanderfliegen würden. Dieses Prinzip auf den ganzen Körper übertragen führte zum Total Expandierten Körper (Abb. 3). Die nächste Überlegung war, Körperfragmente nicht in alle Richtungen des Raumes gleichzeitig, sondern wahlweise in eine der möglichen Richtungen zu expandieren. Beim in die Länge expandierten Körper erfolgte die Expansion nach oben (Abb. 4), beim Organpräsentator zur Seite (Abb. 5) und beim Fechter (Abb. 6) nach vorn und hinten.

Fechter (Abb. 6)
Von allen drei gerichtet expandierten Gestaltplastinaten wurde der Fechter mit seiner typischen Stellung am konsequentesten verlebendigt. Um dem Betrachter die gedankliche Rückführung der Fragmente in die Ursprungsposition zu erleichtern, dient sein rechtes Knie- und Ellenbogengelenk als Scharniergelenk zum Öffnen der vorderen und der hinteren Körperhälfte. Die Herausarbeitung einer dritten Organschicht mit Wirbelsäule, Nieren, Herz und den Eingeweiden des Kopfes wurde vom didaktischen Bemühen diktiert, die Organe so separiert wie möglich zu zeigen, bei gleichzeitiger Darstellung des Rückenmarks von vorn mit den davon abgehenden peripheren Nerven, insbesondere denen der Arme und Beine.

Lassowerfer (Abb. 7)
Beim Lassowerfer wurden mehrere Expansionstechniken miteinander kombiniert. So wurde die Linkswendung des Kopfes nicht durch einfaches Drehen des Kopfes erreicht, sondern durch Einblick gebendes Aufklappen. Dazu wurde der Kopf durch zwei parallel zur Nase verlaufende Längsschnitte geöffnet und die entstehenden Fragmente zieharmonikaartig auseinandergefaltet. Der Blick in den Rumpf wurde durch das Aufklappen von drei Segmenten der Leibeswand realisiert. Um dem Betrachter das gedankliche Schließen der Leibesbedeckung zu erleichtern, wurden in der Mittellinie ein Gewebsstreifen der Bauch- und Brustwand sowie das untere linke Leibessegment in seiner Position belassen. Um die Vielzahl der Finger- und Fußmuskeln mit ihren marionettengleichen Sehnen zu zeigen, wurden die Sehnen beider Unterarme und des rechten Unterschenkels von ihren Ansätzen gelöst und zusammen mit den Muskelbäuchen seitwärts so gedreht, dass die Ellenbogengelenke und das Kniegelenk als Drehpunkte dienten. Am linken Oberschenkel wurden durch Ablösung der Muskeln von ihrer Unterlage die oberflächlichen und tiefen Muskeln gleichzeitig sichtbar gemacht. Diese kombinierte oberflächliche und tiefe Präparation wurde mit einer seitlichen Verschiebung des linken Beines verbunden, so dass sowohl der aus der Hüftpfanne herausgezogene Oberschenkelkopf als auch die Hüftgelenkspfanne selbst zu sehen sind.

Schubladenmann (Abb. 8)
Die traditionelle anatomische Darstellung vermittelt einen falschen Eindruck von der Kompaktheit des Körperinneren und den dichten Lagebeziehungen der Strukturen zueinander. Das Körperinnere ist ein eng aneinander liegendes funktionelles Gefüge ohne Spalten und Zwischenräume. Eben diese Kompaktheit des menschlichen Leibes präsentiert der Schubladenmann. Um nicht an Figuren von Dalì zu erinnern, verzichtete ich auf Präparation mehrerer Schubladen, nämlich für die Brustorgane, den Drüsenbauch, den Darmbauch und das kleine Becken mit den Geschlechtsorganen, obwohl dies nach meiner Vorstellung die verständlichste Darstellung gewesen wäre. Stattdessen zog ich aus dem Rumpf ein einziges großes Fragment heraus, das zur detaillierten Betrachtung zwei Körpertüren erhielt: eine für das Herz und eine weitere für den Drüsenbauch, die ich mit der Öffnung des Magens kombinierte.


Lebensnahes Ambiente

Ein wesentliches gestalterisches Prinzip der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« beruht auf der Überzeugung, dass eine lebensnahe, attraktive, z. B. mit Pflanzen und Alltagsgegenständen belebte Umgebung den Umgang mit menschlichen Präparaten erleichtert. Wenn uns die Anatomie des Lebenden interessiert, sollte sie in einer Umgebung vermittelt werden, in der sich der Besucher vertraut und wohl fühlt. Wie die Künstler der Renaissance ihre anatomischen Figuren in lebendige, mit Pflanzen und Tieren geschmückte Landschaften stellten, so stelle ich die Gestaltplastinate in die lebendige Welt zurück, aus der sie kamen. Das in der Pose eines Schachspielers gezeigte Gestaltplastinat erhält ein Schachbrett, das des Fechters ein Florett, weitere Gestaltplastinate werden in einer Gartenlandschaft mit Bachlauf gezeigt. Auf die negative Wirkung und Atmosphäre üblicher universitärer Präpariersäle weist schon Lippert hin, für den die Anatomieleiche dem Studierenden in einer Umgebung präsentiert wird, »die eher Angst als Vertrauen einflößt«. Der Studierende gewöhne sich so an die Arbeit in der ungemütlichen, sterilen Umwelt der Laboratorien, »dass er den Schock der Patienten auf die Räumlichkeiten der Krankenhäuser gar nicht mehr versteht« (Lippert, vgl. Anm. 2).


Gestaltende und Ästhetische Anatomie

Die Anatomiekünstler der Renaissance zeichneten den Körper genauso, wie sie ihn wahrnahmen. Um die realistische Darstellung der Wirklichkeit, die »Autopsie«, also das »Selbstsehen« deutlich zu machen, bezogen sie Licht und Schatten auf dem Präparat mit ein, oder sie zeichneten gleich die Fliege mit, die auf dem Präparat saß, um vom Augenblick der Betrachtung zu künden. Auf diese Bilder sollte man sich verlassen können, nichts wurde verallgemeinert. Die Schematisierung anatomischer Zeichnungen entwickelte sich erst später. Die Anatomiekünstler zeichneten vorzugsweise Muskelmänner in ästhetischer und lebensnaher Haltung, gewissermaßen erstarrt zwischen Leben und Verwesung, waren sie doch mehr an Relief und Gestalt des präparierten Körpers als an dessen inneren Details interessiert. Als die Anatomiekünstler ausstarben, verlor die Präparation ihre gestaltende und ästhetische Komponente. Gestaltende Anatomie wird heute nur noch in klinischen Fächern wie der wiederherstellenden Chirurgie (z. B. wiederherstellende Gesichtschirurgie) und der ästhetischen Chirurgie (auch Schönheitschirurgie) praktiziert.
In der Kritik, dass »die Präparation eben nicht, wie vorgegeben wird, nach sachlichen Gesichtspunkten [...], sondern nach Effekten« erfolge,15 sehe ich eine Geringschätzung der Bedeutung des Umfeldes, in dem Wissen vermittelt wird. Das positiv emotional Besetzte, der ästhetische Anatomieatlas und nicht das Schmuddelbuch, das farbenprächtige Plastinat und nicht die Gruselleiche machen Anatomie emotional positiv erlebbar. Warum sind heute Schulbücher, warum Museen so viel besser als vor zwanzig Jahren? Weil sie auf Effekte, bunte Bilder, kleine erinnerbare Geschichten setzen. Die Lernforschung hat bewiesen, dass das, was emotional positiv präsentiert wird, schneller erlernt wird und besser erinnerbar bleibt. Gern setze ich auf Effekte, wenn sie das Lernen erleichtern. Die Kirche erkannte das schon viel früher als die Lernforschung. Was in den Köpfen hängen bleiben sollte, wurde vergoldet, optisch auf alle nur erdenkliche Weise aufgewertet sowie in Monstranzen eingelegt und öffentlich gezeigt, so z. B. heiliggesprochene Skelettreste, die bei Fronleichnamsprozessionen durch Köln getragen wurden.
Wo liegt der sittlich-moralische Unterschied zwischen dem Glasauge eines Gestaltplastinats und dem Glasauge nach einer wiederherstellenden Gesichtsoperation oder der zwischen einer Bewegungsgeste des Gestaltplastinats und der Busenvergrößerung einer Lebenden? Es gibt keinen Grund, dem Gestaltplastinat nicht das zukommen zu lassen, was uns Lebenden selbstverständlich ist. Dabei ist das Plastinationslabor kein Schönheitssalon des Körperinneren, denn das kunstgerecht angewendete Plastinationsverfahren verhindert lediglich die bisher übliche anatomische Leichenvergruselung. Das wird zum einen deutlich an ästhetischen transparenten Körperscheiben, die ohne jede Färbung auskommen,16 zum anderen an der Demonstration missgebildeter Föten in der Ausstellung, die in keiner Weise eine ästhetische Augenweide sind.In uns verwurzelte Gestaltungsgrenzen können bei der Rekonstruktion bzw. Positionierung nicht verlassen werden, wenn das Gestaltplastinat als Ganzes wahrgenommen werden soll. Offenbar ist das Gestaltungspotential unseres Körpers über die vorgegebene anatomische Struktur hinaus durch ein tief verwurzeltes Vorstellungsverständnis unserer selbst begrenzt. Ich kann zwar beliebig Zwischenräume der Einsicht schaffen, doch die Vorstellungstoleranz ist eng begrenzt, soll der Körper ganzheitlich empfunden werden. Die unversehrte Symmetrie der Gestalt scheint wichtig. Das verschobene Auge, die entfernte Schulter, das Fehlen einer Extremität lassen die Gestalt kippen und den Körper zerstückelt erscheinen.Das durch die Weichteilverfestigung möglich gewordene posierende und fragmentierte Gestaltplastinat vermittelt mehr als das traditionelle, formalinisierte Rest- und Einzelpräparat oder die liegende Anatomieleiche das Gefühl, dass es sich hier um einen authentischen Repräsentanten eines ganz individuellen menschlichen Lebens handelt. Dies kommt meinem Ziel entgegen, gruselfreie Körperlichkeit sichtbar zu machen, die kein Menschenauge je gesehen hat und die den Betrachter ob des derart erlangten ästhetisch-instruktiven Wissenserwerbs so freudig erstaunt, dass er die Gestaltung geradezu als zwingend, weil überzeugend instruktiv und ästhetisch, nicht aber als moralisch verletzend empfindet.


Die Schönheit des Körperinneren

Ist der menschliche Körper prinzipiell schön? Wenden wir uns zur Beantwortung dieser Frage zunächst der Darstellung des Körperäußeren in der Kunstgeschichte zu: Zweifelsohne zeigen die Bildnisse und Skulpturen der Renaissance des 15. Jahrhunderts nur die Schönheit des Körpers. Im Gegensatz dazu stellten die Expressionisten des 20. Jahrhunderts auch das Leid, den anfälligen, ausgezehrten, kranken Körper dar. Keiner, weder die Künstler der Renaissance noch die Expressionisten zeigten die Unwahrheit. Beide Seiten des Körpers, die schöne und die weniger schöne, sind real – hier der perfekte, straffe Leib, dort der hinfällige alte Körper oder die Verstümmelung. Beide Seiten werden auch in der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« gezeigt – hier das ästhetische Gestaltplastinat, dort die schwere Missbildung des Ungeborenen. Das Schönheitsempfinden für das Körperäußere wurde evolutionär eingeübt. Dabei haben sich nur solche Körperattribute als Schönheitsmerkmale durchsetzen können, die Gesundheit und Kraft signalisieren (Körpersymmetrie, Muskelmasse, glatte zarte Haut etc.) und damit ein erfolgreiches Weitergeben der eigenen Gene an die nächsten Generationen versprechen. Für das unsichtbare Körperinnere hat die Evolution dagegen keine optischen Präferenzen herausgebildet, ist es doch nur indirekt (beispielsweise durch Ausdünstungen oder Exkremente) erfahrbar. So kommt es, dass der Betrachter das kranke Herz oder die Schrumpfleber nicht weniger attraktiv empfindet als die gesunden Organe. Der Pathologe kann sogar von den wunderbaren Krebsmetastasen der Leber schwärmen. Unangenehme optische und indirekte Attribute des Körperäußeren lassen dagegen Fluchtekel aufkommen.Unter Berücksichtigung unterschiedlicher ästhetischer Bewertungen des Körperäußeren und -inneren ist die ästhetische Darstellung von Gestaltplastinaten zu erreichen durch Vermeidung von Körperekel (keine Zahnlücken, keine leeren Augenhöhlen, keine Exkremente, kein Gestank etc.) und durch Berücksichtigung von allgemeinen ästhetischen Gesetzen, denen unsere Wahrnehmung unterliegt:
Die ästhetische Gestaltung von Plastinaten hilft leibfeindliche Körpertabus abzulegen. Sie gestattet uns, die tiefe Neugier zu uns selbst zu stillen und die Herzen zu uns selbst zu öffnen. Der Körper erfährt einen Bedeutungswandel: vom gruseligen Unbekannten zur intimen Sehenswürdigkeit der Schöpfung.


Kultur und Körper

Der aristotelische Denkansatz des Dualismus von Leib und Seele fand über das römisch-katholische Weltreich seinen Weg ins Christentum. So kam es, dass die christliche gleichzeitig die anatomiefreundlichste Religion wurde und die Anatomie der Neuzeit sich in Italien, im Land der anatomiefreundlichen Päpste, etablieren konnte. Der Mensch der Aufklärung lernte, sich dem Körper selektiv anatomisch zu widmen, befreit von Mystik und Trauer.
Zu Beginn des dritten Jahrtausends erlaubt uns der technische Fortschritt eine Neubetrachtung der menschlichen Gestalt anhand tiefenfotografischer Verfahren der Medizin, wie Computertomographie, Magnetresonanzverfahren oder 3D-Ultraschall am lebenden Körper. Ob nun das Körperinnere anhand der Dichteverteilung unseres Körperwassers oder der Körpertemperatur sichtbar gemacht wird, stets erfahren wir unseren Körper bildlich neu.
Mittels computergesteuerter Bildbearbeitungsverfahren ist es möglich, solche körperbezogenen Daten artifiziell aufzuarbeiten. Leistungsfähige dreidimensionale Computergrafikprogramme erlauben es, neue Körpergestalten im »Cyberspace« zu erschaffen, die beim Betrachter emotionale Reaktionen hervorrufen können.
Zu dieser bildlichen Erfahrbarkeit ermöglicht die Plastination, das Körperinnere authentisch dreidimensional wahrnehmbar zu machen. Es sind keine neuen Abbildungsmöglichkeiten des Körpers, die faszinieren, es ist der Körper selbst. Zum Skelett und zur Mumie gesellt sich nunmehr ein neuer Repräsentant postmortaler körperlicher Existenz, das Gestaltplastinat. Selbstbestimmt wird es vom Körperspender als »anatomisches Kulturgut« in kommende Generationen gestellt. Dem Plastinator kommt dabei die Rolle des Gestalters zu.
Die Debatte um die »KÖRPERWELTEN«, insbesondere um die darin gezeigten Gestaltplastinate, wird emotional geführt, berührt sie doch die kulturell erworbenen Bewertungen unserer Körperlichkeit. Die Art des Umgangs mit dem Körper wird über die Tradition kulturell geprägt. Wie viel Nacktheit und wie viel Körperinneres in der Öffentlichkeit gezeigt wird, ist normiert und tabuisiert. Es berührt das auf Gruppenakzeptanz ausgelegte kulturelle Selbstverständnis. Von der totalen Verschleierung der Frau in streng islamischen Staaten bis zur freizügigen Nacktheit beim Karneval von Rio de Janeiro finden sich alle Nuancen des Umgangs mit nackter Haut. Im Sudan trennt gar eine umkämpfte Nacktheitsgrenze den verhüllten islamischen Norden vom freizügig nackten schwarzafrikanischen Süden. Entsprechend unterschiedlich ist der Umgang mit nackter Haut und dem Körperinneren.
Nur weil Gestaltplastinate der Aufklärung dienen, dürfen sie nackter als nackte Haut sein, denn in den meisten Kulturen ist das Nackte allein in der Kunst und der Medizin akzeptiert. Die Tabuisierung des Nackten ist damit nicht nur orts-, sondern auch zweckabhängig. Dem Aktmaler wird die Nacktheitsschau eher zugestanden als dem Besucher einer Striptease-Show. Mit dem Körperschauprivileg des Körperinneren ist es nicht anders. Der Medizinstudent darf das Körperinnere sehen, der Künstler nicht unbedingt, der Laie muss sich rechtfertigen, kein Voyeur zu sein: »Es sei wohl dieses unheimliche Gruseln, ein Stück weit Voyeurismus, was die Menschen in die ›KÖRPERWELTEN‹ treibt, diese ›Sensationshascherei‹, wenn ›eine Leiche in den Raum glotzt‹.«17
Die kulturelle Bedeutung der Plastination ist dreifach:

  1. Zum ersten Mal verzichten Menschen zugunsten der öffentlichen Aufklärung auf die traditionelle Bestattung.
  2. Die Darstellung des schönen Körperinneren macht Körperemanzipation möglich. Das Körperinnere wird nicht mehr verdrängt mit unmittelbaren Auswirkungen auf das körperliche Selbstbewusstsein. Anatomischer Körperstolz kann sich entwickeln. Zahlreiche Besucherkommentare dokumentieren dies: »Ich begreife mich jetzt besser und bin voller Hochachtung vor meinem Körper.« – »Ich bin Mutter von fünf Kindern. Heute habe ich das Leben, was ich meinen Kindern schenken konnte, besser begriffen.« – »Ich bin in Bewunderung für den Schöpfer, werde aufhören zu rauchen und mehr aus meinem wunderbaren Körper machen, schade, dass ich das nicht eher gesehen habe.«18
  3. Mit den Gestaltplastinaten erhält der Tod ein neues Gesicht. Er gewinnt eine Realitätsnähe, die der Vorstellung vom Tod eine besondere Versöhnlichkeit gibt. Körperspenderkommentar: »Seit ich die KÖRPERWELTEN gesehen habe, sehe ich meinem Tod absolut gelassen entgegen.«

Eine für die Kommentatoren der Gesellschaft, den Medien, Kirchenrepräsentanten, anatomischen Fachkollegen und Politikern überraschend große Zahl von Besuchern der »KÖRPERWELTEN« mit hohen Zustimmungswerten zeigt, dass sich der Laie nicht an erwartete Vorhersagen seiner Interessen hält.19 Genau das bedeutet Demokratisierung von Anatomie.
Vor einem halben Jahrtausend schraubten die Anatomiekünstler erstmals das Skelett zusammen und stellten es auf Dauer in die Gesellschaft. Nun erleben wir an der Wende zum neuen Jahrtausend in den »KÖRPERWELTEN« gleichsam die Auferstehung des hautnackten Leibes als Gestaltplastinat. Damit befriedigt die Plastination auf zeitgemäße Weise die Sehnsucht nach Unsterblichkeit, welche bisher die Kirche monopolisierte. Die christliche Bestattung ist quasi die stillschweigende, etablierte Körperspende für das kirchliche Bestattungszeremoniell. Doch dieses Zeremoniell ist seelenlastig und körperfremd. Die Körperspende zur Plastination gibt dem Körper Wertigkeit zurück, fürchten wir uns doch vor dem Sterben des Körpers und nicht vor dem Sterben der Seele.
Den täglichen Tod der Seele erleben und üben wir bei jedem Einschlafen, der Tod des Körpers wird verdrängt. Der lebenslang täglich gepflegte, wertvolle, einzigartige Körper muss aber mit dem Tod nicht plötzlich zur nutzlosen Sache werden. Tiefenpsychologisch kommentiert Susanne Sarial dazu, dass »von Hagens es [...] in einer Gratwanderung am Abgrund der Projektion [...] schafft, das Verdrängungsgefüge durch den unerwarteten Humor und die Ästhetik der Präparate so weit zu lockern, dass ein kleiner Verbindungstunnel zur ursprünglichen sexuellen Neugier und dem damit individualhistorisch in engstem Zusammenhang stehenden allgemeinen Erkenntnisinteresse und zum Narzißmus entsteht«.20 Dieser Narzißmus wirke zweifach, zum einen in der narzißtischen Befriedigung, »dass man nicht irgendwann einmal spurlos von der Bildfläche verschwindet, sondern mit der Plastination eine gewisse Unsterblichkeit erreicht wird«, zum anderen wirke diese narzißtische Befriedigung in einer Form, »die dem Körper alle nur erdenkliche Aufmerksamkeit zuteil werden lässt und den Gedanken der ästhetischen Gestaltung des Körpers nach eigenen Werten impliziert [...] nicht ein ›Gefäß ekliger Flüssigkeiten‹, nicht Sündenpfuhl ist der Körper, wie das Christentum lehrt, sondern ›stilisiertes Kulturereignis‹.«21 Die Neugestaltung des Körpers durch die Plastination sei eine Stärkung des Narzißmus, die »dem ›Memento mori‹ der Kirche, ihrer Lehre ›Staub zu Staub‹« geradewegs entgegenstehe.22

In einer Zeit der Neubewertung des Körpers, die mit einer höheren Wertschätzung verbunden ist, scheint die Körperspende zur Plastination eine Antwort auf die nicht mehr zeitgerechte christliche Körpernegation zu sein, eine Antwort, die auf den Körper weniger als »Madensack« (Luther), sondern eher als Wunder der Schöpfung abhebt.


Gestaltplastinate zwischen Kunst und Wissenschaft

Die öffentliche Diskussion über den Kunstcharakter von Gestaltplastinaten zeigt deren kommunikative Funktion auf, die sie zum Kulturereignis macht. Gestaltplastinate dienen keinem künstlerischen Zweck; sie können aber durchaus künstlerischen Kriterien genügen. Wie Kunstwerken ist gelungenen Gestaltplastinaten die ästhetische Ausstrahlung und die emotionale Bewertung eigen. Dies äußert sich unter anderem darin, dass die Hälfte der Besucher auch wegen des ästhetischen Reizes in die Ausstellung geht. Knapp ein Drittel der Besucher bewertet die Ausstellung gar als Kunstausstellung.23

Ich persönlich lasse hier allenthalben den Aspekt der »Könnenskunst«24 gelten und habe – um Missverständnissen vorzubeugen – den Begriff der Anatomiekunst geprägt. Diese definiere ich als die ästhetisch-instruktive Darstellung des Körperinneren. Darstellung ist dabei sowohl im Sinne von Präsentation als auch von kunsthandwerklicher Tätigkeit zu verstehen. Die mit der Plastination möglich gewordene ästhetisch-dynamische Gestaltung des Körpers für anatomische Lehrzwecke ermöglicht eine emotionale Erlebnis- und Schauanatomie statt Schulanatomie. Neben »Anatomiekunst« bietet sich dafür die Bezeichnung »Gestaltende Anatomie« an, deren Ergebnis »Gestaltplastinate« sind. Die Gestaltung von Plastinat und Ambiente wertet das Präparat anatomisch auf, wie die Monstranz die religiöse Wirkung der Reliquie. Gestaltende Anatomie hat die Vermittlung anatomisch-funktioneller Einsichten zum Ziel und transformiert deshalb nicht anatomische Präparate zu Kunstobjekten. Deshalb fertige ich keine Kronleuchter aus menschlichen Knochen25 oder umlege gar ein Gehirn mit Hoden, um es »Männlichkeitsmedaillon« zu nennen.26 Ich schnitze keinen Blumenkohl aus dem Gehirn und transformiere keinen Penis mit Hoden zum Revolver. Weil Kunst im Auge des Betrachters liegt, werden Gestaltplastinate durch meinen vermeintlichen »Habitus eines Künstlers« nicht zu Kunstobjekten. Ich bin Erfinder; mir ist die Kreativität des Künstlers, aber noch mehr das diszipliniert sachbezogenere Denken des Wissenschaftlers eigen. Mein Vorbild ist ein Erfinder wie Edison, der seine Erfindungen zu Lebzeiten mit wirtschaftlichem Erfolg realisierte.
Zur Kunst werden Gestaltplastinate auch nicht durch den vermeintlichen Habitus des Künstlers, den man mir nicht selten wegen meines Hutes unterstellt.27 Erfinder sind wie Künstler Individualisten. Und dies waren auch die Anatomen der Renaissance, wenn sie im Kreise ihrer Kollegen mit Hut dozierten oder präparierten. Nachdem ich mich mit dem Werk von Josef Beuys vertraut gemacht habe, sage ich heute nicht mehr, dass ich mit ihm »nichts am Hut« habe. Denn Vorbild ist mir sowohl sein unkonventionelles Denken als auch sein Bemühen, mit dem Laien über seine Arbeiten und Thesen einen ständigen Diskurs zu führen. Der Unterschied liegt eher darin, dass er sich um die Gunst der Laien bemühte, aber die Zustimmung der Intellektuellen gewann, während ich die Gunst meiner Fachkollegen suchte, Zuspruch aber von den Laien erhielt.


Was ist eine Leiche?

Was ein lebendiger Mensch ist, scheint unstrittig. Denn die Diskussion über den Zeitpunkt von Lebensbeginn und Lebensende und damit vom Beginn und Ende des lebendigen Körpers ist weitgehend abgeschlossen. Noch bis vor 200 Jahren glaubte man, Beginn und Ende eines Menschenlebens am ersten und letzten Atemzug festmachen zu können. Genauere Erkenntnisse stellten sich erst mit zunehmendem Wissen in der Medizin ein. So konnte mit der Erfindung des Mikroskops der Beginn des menschlichen Lebens auf die Befruchtung der Eizelle festgelegt werden, und nach der Entdeckung des Blutkreislaufs war man überzeugt, dass das Leben mit dem Herzstillstand ende. Weiteren Aufschluss lieferten die Erfindungen der Elektrokardiographie (EKG) und der Elektroenzephalographie (EEG), mit denen die elektrischen Ströme von Herz und Hirn abgeleitet und grafisch dargestellt werden können. Das Fehlen jeglicher elektrischen Herz- und Hirnströme markiert seither die Zäsur zwischen Leben und Tod. Von diesem Zeitpunkt an nennt man den toten Körper eines Menschen umgangssprachlich eine Leiche. Die Entwicklungen der künstlichen Beatmung und der Herz-Lungen-Maschine ließen später die Diskussion um den Todeszeitpunkt erneut aufkommen aufgrund der Tatsache, dass das Herz auch nach Eintritt des Hirntodes weiterschlagen und der restliche Organismus künstlich »am Leben« gehalten werden kann. Heute wird der Hirntod als das entscheidende Todeskriterium angesehen, auf dem auch die Transplantationsmedizin basiert.
Die Frage »Was ist eine Leiche?« scheint dagegen vor dem Hintergrund der neuerlichen kontroversen Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« klärungsbedürftig. In einem geradezu dramatischen, in den Medien ausgetragenen Kulturkampf geht es um die Frage: Leichenschau oder Lehrschau, Anatomisches Museum oder illegaler Friedhof, Gruselleichen oder Gestaltplastinate. Höhepunkt im Streit um die Kölner Ausstellung war die Forderung von Vertretern der Stadtkirche, die Ausstellung zu verbieten.28 Diesem öffentlichen Disput liegt ein höchst unterschiedliches Verständnis des Leichenbegriffs zugrunde. Die Heftigkeit der Kontroverse wurde durch den uneinheitlichen Gebrauch unterschiedlicher Begriffe verschärft. So wurden die Begriffe »Leiche«, »Leichnam«, »Verstorbener« und »Toter« synonym verwendet, obwohl die Begriffe inhaltlich klar voneinander abzugrenzen sind.
Allgemeine Lexika, so wie Brockhaus und Meyer, definieren die Leiche als »Körper eines Menschen nach dem Eintritt des Todes« bzw. »Der menschliche Körper nach dem Eintritt des Todes«.29 Damit wird die Leiche über den Beginn ihrer Existenz definiert, die sich aus dem Todeszeitpunkt ergibt. Das Deutsche Rechtslexikon versucht die Definition über die menschliche Gestalt: »Leiche ist der als solcher in seiner Gesamtheit noch erkennbare Körper eines gestorbenen oder tot geborenen Menschen (nicht die Fehlgeburt). Ihre rechtliche Einordnung ist umstritten.«30 Beide Definitionsansätze bleiben jedoch die Antwort auf die Frage »Wann hört eine Leiche auf, eine Leiche zu sein?« schuldig. Die Frage war auch so lange nicht von Belang, wie die Transformation der Leiche zu Staub oder Asche dem Auge verborgen blieb, ob nun im Erdgrab oder im Ofen des Krematoriums. Die umfassendste Leichendefinition liefert Jürgen Gaedke; er definiert die Leiche über das Ende ihrer Existenz, wenn er schreibt: »Leichnam ist der entseelte menschliche Körper bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen durch den natürlichen Verwesungsprozess oder eine diesem gleichzustellende Vernichtungsart (z. B. Verbrennung) aufgehoben ist, sowie der zu wissenschaftlichen Zwecken zerlegte menschliche Körper, solange die Absicht einer gemeinsamen Bestattung der einzelnen Teile in der herkömmlichen Weise besteht.«31 Bei dieser Definition fällt auf, dass Gaedke den Begriff »Leichnam« verwendet und für die abgrenzende Definition die »Verweslichkeit« und die »Absicht« der Bestattung hervorhebt. Demnach wären Plastinate nicht als bestattungspflichtige Leichname anzusehen, denn sie verwesen nicht und [müssen] werden nicht bestattet. Die Definition und ihre Anwendung auf die Plastinate ist jedoch insofern nicht scharf genug, als sie die Verwesungsleiche ungenügend von den verschiedenen Formen der nicht verwesenden Leiche abgrenzt. Hierzu fehlt eine klare Systematik, welche die unterschiedlichen Leichenexistenzen gegenüberstellt. Im Folgenden habe ich den Versuch unternommen, die üblicherweise in diesem Zusammenhang verwendeten Begrifflichkeiten zu ordnen, ihre Qualitätsmerkmale herauszustellen und die Ergebnisse in einem Diagramm zusammenzufassen (siehe Diagramm 1).


Alle Leichen sind Tote, aber nicht alle Toten sind Leichen

Bei Toten ist zunächst nach existentiellen Gesichtspunkten zwischen der real existierenden »Leiche« und dem real nicht existierenden »Verstorbenen« zu unterscheiden. Wie könnten wir sonst, wie Wetz scharfsinnig bemerkt, vom Leichnam eines Verstorbenen sprechen?32 Der Begriff »Leiche« beschreibt den toten, leblosen Körper, der Begriff »Verstorbener« hingegen das Bild des ehemals Lebenden, das in der Erinnerung der Hinterbliebenen fortexistiert. Eine Sonderform des Toten ist der hirntote Organspender, die »Transplantationsleiche«; sie ist definitionsgemäß aufgrund irreversiblen Erlöschens der Hirnfunktionen tot (hirntot), aber die übrigen Organfunktionen werden bis zur Organentnahme künstlich »am Leben gehalten«.
Bei der systematischen Kategorisierung der verschiedenen Formen postmortaler körperlicher Existenz verwende ich aus Übersichtsgründen im Folgenden ausschließlich den Begriff der »Leiche«. Die Klassifizierung der Leichen erfolgt nach dem qualitativen Merkmal der Dauerhaftigkeit, die sich aus ihrer Stofflichkeit oder genauer ihrem Gehalt an Wasser und Konservierungsstoffen ergibt. Danach lassen sich drei Hauptformen der Leiche unterscheiden, nämlich der Leichnam (auch Verwesungsleiche), die Feuchtleiche und die Trockenleiche.

  1. Der Leichnam ist ein toter menschlicher Körper, der an freier Luft verwest oder schrumpfend vertrocknet. Er wird üblicherweise bestattet; deshalb auch »Verwesungsleiche« oder »Bestattungsleiche«. Der Leichnam ist »die Leiche im Sinne des Gesetzes«; auch umgangssprachlich bezieht sich der Begriff Leiche zumeist auf den so definierten Leichnam. Das behördliche Interesse ist dem Leichnam sicher, weil die Verweslichkeit seine potentielle Infektiösität bedingt. Deshalb schreibt der Gesetzgeber eine Bestattung des Leichnams innerhalb von 36 bis 96 Stunden vor.33 Weil die Identität des Leichnams in der Regel bekannt ist und meist Angehörige und Freunde existieren, sind Leichname meistens »Trauerleichen«, also Objekte individueller Trauer und individuellen menschlichen Mitgefühls. Der anonyme Leichnam, dessen Identität unbekannt ist, ist der Fundleichnam. Eine Sonderform der Fundleiche ist die Wasserleiche. Der Leichnam hat nicht nur eine Trauerfunktion; er kann auch durch die pathologische oder rechtsmedizinische Sektion zur Klärung der Todesursache nützlich werden.
  2. Feuchtleichen sind feucht konservierte menschliche Körper, die an frischer Luft schrumpfend vertrocknen, wobei sie sich aufgrund des Schrumpfungsprozesses braun bis schwarz verfärben. Will man sie erhalten, müssen sie vor schrumpfender Austrocknung geschützt und entweder feucht (d. h. in Flüssigkeit oder doch wenigstens bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit) aufbewahrt oder aber eingefroren werden, damit sie nicht trocknen und schrumpfen können. Da sie wegen der Konservierung nicht infektiös sind, stellen sie aus gesundheitsbehördlicher Sicht zumeist kein Problem dar. Zu den Feuchtleichen gehören vor allem die Anatomieleichen und die Moorleichen. Bei Anatomieleichen kommt es während der studentischen Präparation an freier Luft auch bei guter Feuchtpflege nach drei bis vier Monaten zu erheblichen Vertrocknungs- und Schrumpfungserscheinungen. Nach ihrer Verwendung im Präpariersaal werden Anatomieleichen üblicherweise bestattet. Zur Ergänzung ihrer Museen ist es in Anatomischen Instituten üblich, ganze Anatomieleichen oder Teile davon in Dauerpräparate oder in Skelette zu transformieren. Moorleichen sind durch die im Moor enthaltenen Gerbsäuren konserviert. Auch sie müssen unter feuchten Bedingungen aufbewahrt werden, sollen sie nicht massiv schrumpfen. Die Identität von Moorleichen ist meist unbekannt, weil sie zum Zeitpunkt ihres Auffindens bereits Jahrhunderte alt sind. Eine Sonderform der Feuchtleiche ist die Eis- oder Gletscherleiche (Beispiel »Ötzi«). Bei ihr ist die Verwesung nicht durch chemische Prozesse, sondern durch Dauerfrost aufgehalten. Sie unterliegt auch im gefrorenem Zustand kontinuierlicher, wenn auch langsamer Trocknung (»Gefrierbrand«) und ist deshalb – je nach Verweildauer im Eis – entweder Feucht- oder Trockenleiche. Taut die Eis- oder Gletscherleiche vorzeitig auf, so wird sie in den nicht getrockneten Anteilen zum verweslichen Leichnam.
  3. Trockenleichen sind trocken konservierte menschliche Körper, die an frischer Luft stabil sind. Aufgrund dauerhaften, schonenden Wasserentzugs sind sie weder verwest noch während des Trocknungsprozesses nennenswert geschrumpft. Künstliche Trockenleichen enthalten Konservierungsmittel oder Füllstoffe wie beispielsweise Naturharze oder Kunststoffe und verhindern so das Eindringen von Feuchtigkeit mit nachfolgendem Schädlingsbefall. Die typische Trockenleiche ist die Mumie. Aus kultischer Verehrung wurde die Körperhülle der verstorbenen Pharaonen als sichtbare Körperlichkeit für das Jenseits erhalten. Heute gemahnen sie als Abglanz vergangener Zeiten an unsere eigene Sterblichkeit.

Zur besseren Übersicht sind die wichtigsten Unterscheidungskriterien noch einmal in Tabelle 1 zusammengefasst.

Entsprechend dieser Klassifikation nach durch Stofflichkeit bedingter Dauerhaftigkeit sind auch Gestaltplastinate und Skelette den Trockenleichen zuzuordnen. Beide lassen in ihrer Gesamtheit die Gestalt eines menschlichen Körpers erkennen, beide sind trocken konserviert und verwesen nicht, und Trocknungsprozesse hinterlassen an ihnen keine sichtbaren Spuren der Schrumpfung. Alle drei genannten Vertreter sind unvollständig; künstlichen Mumien fehlen die inneren Organe, den Gestaltplastinaten zumeist die Haut und den Skeletten Muskeln, Organe und die Haut. Entsprechend können Skelette als Knochenskelette, Mumien als kombinierte Haut-Knochen-Muskelskelette (ohne Organe) und Plastinate als kombinierte Organ-Muskel-Knochenskelette (ohne Haut) angesehen werden.
In Diagramm 2 werden menschliche Körperteile, Organe und Gewebereste klassifiziert, nämlich nach frisch, abgestorben und konserviert. Es macht mit der Vielfalt anatomischer Dauerpräparate vertraut.


Bestattungspflicht für Plastinate?

Ein Bestattungszwang für Plastinate wurde in der jüngeren Vergangenheit nicht nur von Kirchenvertretern, sondern auch von Juristen gefordert. Nach Thiele »normieren die landesrechtlichen Bestattungsregelungen ausdrücklich einen Bestattungszwang«, zumal ein Bestattungszwang für »Anatomieleichen«, aber auch »für abgetrennte Körperteile« bestehe.34 Diese gesetzliche Regelung habe »ihre Grundlage zudem in Überlegungen des Brauchtums und eines ethisch verantworteten Umgangs mit Verstorbenen, der dem Kulturkreis entspricht«. Beim »Ausnahmefall Anatomieleiche« werde »die Pflicht zur Bestattung nur aufgeschoben«.
Im Rheinischen Merkur argumentiert von Campenhausen: »Es ist Ausdruck der menschlichen Sitte und des Respekts vor der über den Tod hinausreichenden Würde des verstorbenen Menschen, wenn in Deutschland ausnahmsloser Bestattungszwang von Rechts wegen gilt.« Bei Anatomieleichen sei »die Bestattung nur aufgeschoben, ebenso wie bei der Organtransplantation, wo das gespendete Organ später mit dem Organempfänger bestattet wird. Es gibt keine Ausnahme von der würdigen Entsorgung.«35
Ernst Benda argumentiert dreifach gegen die »KÖRPERWELTEN«, zum einen mit dem Bestattungszwang, zum zweiten mit der Bestimmung des § 13 der Bestattungsverordnung des Landes Baden-Württemberg: »Leichen dürfen nicht öffentlich ausgestellt werden« und zum dritten mit dem rechtlichen Fazit »Die Verwandlung einer Leiche in ein dauerhaftes Ausstellungsobjekt ist unzulässig [...].« Der Fehler liege dort, »wo die verändernde Behandlung stattgefunden hat«, also im Institut für Plastination in Heidelberg.36
In der nunmehr 23jährigen Geschichte der Plastination ist die Forderung nach Bestattung von Plastinaten neu. Sie wäre vermutlich nicht erhoben worden, würden in der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« nicht präparierte und plastinierte ganze Körper, die Gestaltplastinate, gezeigt werden. Die Forderung ist allerdings kaum verständlich, weil in zahlreichen Museen anatomierte Dauerpräparate existieren, ohne dass für sie je eine Bestattung gefordert worden wäre. Menschliche Dauerpräparate werden in Europa seit der Renaissance in öffentlich zugänglichen anatomischen Sammlungen gezeigt und immer wieder auch um neue Präparate ergänzt. Als Beispiel sei für Deutschland das Pathologisch-Anatomische Museum der Berliner Charité (Virchow-Museum) genannt, für Österreich das Pathologische-Anatomische Bundesmuseum im »Narrenturm« in Wien und für die Schweiz das Anatomische Museum, Basel. In Italien, wo die öffentliche Anatomie in der Renaissance mit den Anatomischen Theatern in Padua und Bologna begründet wurde, finden sich die meisten Anatomiemuseen Europas: Museum für Veterinärmedizin, Pathologie und Teratologie, Ozzano (Emilia); Museo di Antropologia Criminale, Torino; Museo di Anatomia Patologica, Roma; Museo di Anatomia e Istologia Patologica, Bologna; Museo dell’Istituto di Anatomia Umana e Patologia, Pavia; Museo Anatomico, Modena; Museo Anatomico, Napoli. Darunter finden sich auch einige Museen, deren anatomische Sammlungen sogar präparierte ganze Körper beinhalten. Ist dies den Kritikern entgangen? Oder sind solche Präparate aufgrund ihres Alters und ihrer historischen Bedeutung anders zu bewerten?
Es fällt auch auf, dass die Bestattung von Plastinaten nicht von Anatomen, sondern von – wenn auch wenigen – Juristen und Theologen gefordert wird, die nicht mit der komplexen anatomischen Präparatewirklichkeit (Diagramm 2) und der weltweit geübten anatomischen Praxis vertraut sind. Wenn die Forderung nach Bestattung in der Ganzkörperlichkeit ihre psychologische Ursache haben sollte, stellt sich die berechtigte und durchaus nicht zynisch gemeinte Frage: Wie groß darf ein anatomisches Präparat sein, um nicht mehr als bestattungspflichtige Leiche bewertet werden zu müssen? Würde vielleicht eine Vierteilung oder das Schneiden und die räumliche Trennung, z. B. der Versand in mehreren Kisten, die Leichenqualität beenden? Wie viele Körperteile müssen abgetrennt, wie viel Gewebsmasse (Haut, Muskeln, Organe oder ganze Extremitäten) wegpräpariert sein? Oder zugespitzt formuliert: Wie viele Scheiben braucht eine Leiche? Das Beispiel der zerstückelten Leiche lehrt uns, dass eine Leiche nicht notwendigerweise zusammenhängend sein muss. Ein Mörder darf nicht argumentieren können, es sei keine Leiche mehr da, nur weil er sie zerstückelt habe. Daraus ergibt sich, dass das Kriterium der Ganzkörperlichkeit oder Vollständigkeit kein geeignetes Bewertungskriterium sein kann. Es ist wichtiger, zwischen verweslichen Leichen bzw. Leichenteilen einerseits und unverweslichen Dauerpräparaten andererseits, gleich welcher Vollständigkeit, zu unterscheiden. Im Vordergrund des Disputs steht damit auch nicht, ob Plastinate Leichen sind, sondern wie mit Leichen und Leichenteilen umzugehen ist.


Merkmale von Plastinaten

Im Folgenden sollen weitere Qualitätsmerkmale von Plastinaten im Vergleich zu anderen Leichen herausgearbeitet werden. Dafür bietet sich die Klassifikation der Zweckbestimmung, des administrativen Umgangs und der qualitativen Änderung an. Für Plastinate ergibt sich die Zweckbestimmung aus der Körperspende zur Plastination zum Zwecke von Forschung, Lehre und Aufklärung. Der administrative Akt besteht in der Annahme der Leiche zur Plastination mit Übergabe der unterschriebenen Körperspende zur Plastination und der Anonymisierung. Die qualitative Änderung erfolgt im ersten Plastinationsschritt, d. h. in der Transformation der Leiche zum Präplastinat. Dies geschieht durch Injektion von für die Plastination geeigneten Chemikalien in das Blutgefäßsystem und – im Falle der Scheibenplastination – durch Einfrieren und Einschäumen im Schaumstoffblock. Die Transformation vom Präplastinat zum Plastinat (Ganzkörper- oder Einzelplastinat) erfolgt durch die Härtung des in jeder Körperzelle befindlichen Kunststoffes. Die Anonymisierung ist zur Abgrenzung des Leichnams gegen das Präparat wesentlich, weil nur so die Pietätsqualität sicher beendet wird, d. h. das Gefühl der individuellen emotionalen Verbundenheit mit dem Verstorbenen. Die Anonymität von Plastinaten ist auch deshalb sinnvoll, weil sie anatomischer Tradition entspricht und durch sie Plastinate gegen Trauerleichen sowie Mumien und Reliquien bekannter Personen abgegrenzt werden. Daher sollte es nicht-anonyme Plastinate nur in gut begründeten Ausnahmefällen geben. Selbstverständlich ist jedem menschlichen Präparat die menschliche Qualität weiterhin eigen. Das bedeutet auch, dass Plastinate entsprechend der letztwilligen Verfügung des Spenders ausschließlich für Forschungs-, Lehr- und Aufklärungszwecke verwendet werden dürfen. Nicht mehr verwendbare Plastinate sind – wie andere menschliche Überreste auch – in geeigneter Weise zu beseitigen. Das heißt, sie werden separat verbrannt und nicht im Hausmüll entsorgt.


Zweckbestimmung

Die Zweckbestimmung macht Handlungen möglich, die sich am Trauerleichnam verbieten würden. So ermöglicht erst die Zweckbestimmung für die Anatomie die Zergliederung. Gaedke formuliert in seiner Definition der Leiche zur Zweckbestimmung: »Leichnam ist der entseelte menschliche Körper [...] , solange die Absicht einer gemeinsamen Bestattung der einzelnen Teile in der herkömmlichen Weise besteht.«37 Zu denjenigen, die bestimmen, wie der Körper entsorgt wird, schreibt er: »Träger dieses Verfügungsrechts werden in der Regel die Angehörigen sein. [...] Aus dem Verfügungsrecht kann sich auch die Befugnis ergeben, die Leiche zu fotografieren und möglicherweise auch sezieren zu lassen.«38 Religiösen Ganzkörperreliquien wie den Mumien der Kapuzinermönche sowie den gestalteten Knochenornamenten in Kirchen ist die kultische Zweckbestimmung des Verweilens auf Erden eigen. Die staatliche Achtung dieser Zweckbestimmung macht ihr Überdauern in Grüften und Kirchen bis auf den heutigen Tag möglich. Früher dienten Mumien und Reliquien kultischen, heute meist touristischen Zwecken. Das öffentlich ausgestellte Plastinat dient der Aufklärung. Noch vor hundert Jahren lockten in Köln Reliquienprozessionen Hunderttausende an, heute tun dies die Plastinate. Sie verbinden zeitgemäß die Neugier mit Wissensdurst und dem Wunsch nach tieferer Erkenntnis über das, was die Welt in uns zusammenhält.


Einverständnis der Betroffenen und der Angehörigen

Die Einwilligung Betroffener zur Verwendung ihres Körpers nach dem Tod für Forschungs-, Lehr- und Aufklärungszwecke ist erst eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. So verwandte man in der Anfangszeit der wissenschaftlichen Anatomie im ausgehenden Mittelalter für anatomische Studien vorzugsweise Leichen hingerichteter Verbrecher. Später ging man dazu über, so genannte herrenlose Leichen im Anatomieunterricht zu verwenden. Diese Praxis wurde bereits in den Preußischen Runderlassen von 1889 festgeschrieben, nach denen herrenlose Leichen an Anatomische Institute zu überführen seien. Nach dieser Regelung wurde in den meisten Anatomischen Instituten in Deutschland bis in die achtziger Jahre hinein verfahren. Moralischer Hintergrund dieser Regelung ist die Überzeugung, dass eine anatomische Verwendung nicht weniger unehrenhaft als die Bestattung sei. Zudem stand hinter dieser Gesetzgebung die Überzeugung, dass es staatliche Pflicht sei, einer Verknappung von Leichen für Forschungs-, Bildungs- und Ausbildungszwecke entgegenzuwirken. Die Knappheit an Anatomieleichen hatte in der Anfangszeit der wissenschaftlichen Anatomie zu Grabplünderungen und sogar zu Mordtaten geführt.39 Nach 1945 wurden in Deutschland nach und nach Vermächtnisregelungen etabliert, nach denen Personen zu Lebzeiten ihre postmortale anatomische Verwendung bestimmen konnten, so dass der Leichenbedarf Anatomischer Institute zunehmend auch durch Körperspenden Freiwilliger gedeckt werden konnte. Entgegen mancher Laienüberzeugung hat es niemals Geld für das Vermächtnis der Körperspende für anatomische Zwecke gegeben. Diese Vermächtnisregelung entwickelte sich in Deutschland zur alleinigen Leichenquelle Anatomischer Institute, als mit der Verminderung des Sterbegeldes von ca. DM 7500 auf gegenwärtig DM 2100 die Zahl der »Vermächtnisgeber« so stark und sprunghaft anstieg, dass seither der Jahresbedarf Anatomischer Institute an Körperspendern zumeist schon in den ersten Monaten des jeweiligen Jahres gedeckt ist und für den Rest des Jahres keine weiteren Vermächtnisse mehr angenommen werden. Aus dieser Entwicklung heraus wird heute in Deutschland oft die Zustimmung des Betroffenen für die Verwendung zu anatomischen Zwecken gefordert, wenngleich sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Einführung der Körperspende für die Plastination liegt die Überzeugung zugrunde, dass für eine öffentliche Ausstellung nur die selbstbestimmte Entscheidung des Körperspenders den Werten einer demokratischen Gesellschaft entspricht, nämlich dem einzelnen soviel Verfügung über seinen Körper wie möglich einzuräumen.
Die allgemeine Forderung nach postmortaler Selbstbestimmung wird in der Praxis uneinheitlich angewandt. So bedürfen rechtsmedizinische Sektionen im Gegensatz zu anatomischen Sektionen keinerlei Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen; ihr Einspruch ist hier sogar wirkungslos. Nach fast jedem tödlichen Verkehrsunfall wird beispielsweise von der Staatsanwaltschaft eine Sektion zur Klärung der Schuldfrage verfügt, ohne dass jemand daran Anstoß nähme. Auch die Dauerpräparate anatomischer Museen stammen fast ausnahmslos von Personen, die nie nach ihrem Einverständnis zur Ausstellung als Dauerpräparat gefragt wurden.
Andererseits kann Mumien, Skeletten und Knochenresten, ja selbst kleinsten anatomischen Präparaten dann noch ein Bestattungsrecht oder eine moralische oder gesetzliche Bestattungspflicht zukommen, wenn eine religiöse oder moralische Beziehung zu ihnen besteht. Bei Völkern, deren Religion eine Bestattung zwingend macht, genügt eine kollektive, gefühlsmäßige Verbundenheit zu gefundenen sterblichen Überresten (zumeist Knochenresten) ihrer Vorfahren, um diese zu einem gruppenbildenden, kollektiven Trauerfall zu machen. Dazu sei als Beispiel das einklagbare Bestattungsrecht amerikanischer und australischer Ureinwohner erläutert. 1989–90 wurden in den USA zwei Gesetze (»National Museum of the American Indian (NMAI) Act« und »Native American Grave Protection and Repatriation«) vom amerikanischen Kongress verabschiedet. Beide Gesetze bestimmen, dass anonyme menschliche Verwesungsreste indianischer Vorfahren indianischen Gruppen auf begründeten Antrag hin zur Bestattung übergeben werden müssen. In Australien, Bundesstaat Victoria, wurde 1987 das »Aboriginal und Torres Strait Islander Heritage Protection Law« verabschiedet, das Gruppen australischer Ureinwohner das Recht auf Rückführung archäologischer Knochenfunde einräumt, was zur Wiederbestattung von bis zu zehntausend Jahre alten fossilen Skelettfunden führte.40 Doch es gibt auch ein deutsches Beispiel: Im Südwest 3-Fernsehen wurde 1989 ein Kurzfilm über die nationalsozialistische Herkunft histologischer Präparate an deutschen Universitäten gezeigt.41 Die Heidelberger Universitätsleitung nahm sich des Problems »leichnamsgerecht« an: Die gläsernen Objektträger wurden zerstampft und auf dem Heidelberger Friedhof bestattet. Dieses Beispiel zeigt, dass die Größe des Körpergewebes und die Konservierungsart keinen Einfluss auf Bestattungsentscheidungen haben müssen, entspricht doch das Gewebevolumen eines solchen histologischen Präparates dem fünfzigsten Teil eines Blutstropfens einschließlich 70 Prozent an Kunststoff, mit dem es zwischen Objektträgern durchtränkt ist. Andererseits besteht für Hunderttausende anonymer Skelette in Schulen, Theatern, Grüften und in Privatbesitz weltweit keine Bestattungspflicht. Das gleiche gilt für Pharaonen- und Gletschermumien.


Anonymisierung

Es entspricht anatomischer Tradition, Anatomieleichen für den studentischen Unterricht zu anonymisieren, denn es soll für den Anatomiestudenten die anatomische Struktur und nicht das Lebensschicksal des Verstorbenen von Interesse sein. Mit der Anonymisierung wird die individuelle gefühlsmäßige Verbundenheit zum Verstorbenen aufgehoben und der Bedeutungswandel von der Trauer- zur Lehrleiche unterstrichen. Diese Praxis wird von Lippert kritisiert, wenn er schreibt: »An der Leiche trainiert der Student alle Aspekte der Dehumanisierung: Denn dieser Patient ist eine bloße Nummer, ohne Namen und Gefühl. [...] Sein einziges Bedürfnis ist ein wenig Befeuchtung [...]. Am Anfang des Kurses bestürzen die Studenten den Lehrer mit Fragen nach der Herkunft der Leiche, nach Beruf und Krankengeschichte. Im Laufe des Kurses erstirbt dieses personenorientierte Interesse. Die Leiche wird Objekt, an dem es ein Testat zu bestehen gilt.«42
In Abwägung des Für und Wider würde ich mich bei Anatomieleichen für die Bekanntgabe der wesentlichen Lebensdaten entscheiden, welche die sichtbare Körperlichkeit der Leiche bestimmen, wie Alter und Todesursache. Bei Gestaltplastinaten gibt es allerdings ernst zu nehmende Gründe, die Anonymisierung konsequent durchzuhalten. Einmal wird das Gestaltplastinat durch die Anonymisierung zusätzlich gegen den Leichnam abgegrenzt, zum anderen entfallen damit juristische Probleme, die sich dann aus nicht erlöschenden Verfügungsrechten der Angehörigen ergeben könnten. Wie die Praxis anatomischer Vermächtnisse zeigt, ist es leider gar nicht so selten, dass über die Realisierung der Körperspende familiäre Konflikte ausgetragen werden, die mitunter sogar die Gerichte beschäftigen. Insofern wird die Aufhebung der Anonymität von Gestaltplastinaten eine Ausnahme bleiben müssen.


Sitte und Würde

Religiöse Gefühle wie auch die Vorstellungen von Moral, Sitte und Würde spielen eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung von Umgangsformen mit Leichen; sie haben in verschiedenen Gesellschaften sehr unterschiedliche Bestattungsriten hervorgebracht. So werden beispielsweise in Tibet aus religiöser Überzeugung die Leichen an Geier verfüttert und in Indien als Asche dem Ganges übergeben. Gaedke schreibt zu diesem Themenkomplex: »Für alle Verfügungen des Verstorbenen gilt die Grenze des § 138 BGB, wobei die Frage, ob die Anordnung gegen die guten Sitten oder gegen die Pietät, also das Menschenrecht und die Menschenwürde überhaupt, verstößt, weder allein nach der Auffassung des Verstorbenen noch allein nach derjenigen der Angehörigen zu beurteilen ist; vielmehr muss die Anordnung objektiv einen Verstoß gegen die guten Sitten oder das Pietätsgefühl darstellen.«43 Mit anderen Worten: Die Realisierung sittlicher und moralischer Vorstellungen bedarf des gesellschaftlichen Konsenses.
In Bezug auf die »KÖRPERWELTEN« bedeutet dies, dass die Diskussion um Menschenwürde und die öffentliche Ausstellung von Plastinaten nicht losgelöst von den sittlichen und moralischen Überzeugungen der Bevölkerung gesehen werden kann. Insbesondere in einer Demokratie soll der Bürger sehr wohl selbst darüber mitentscheiden können, was würdevoll und was würdelos ist, was gezeigt werden darf und was nicht, wenn damit die Rechte anderer nicht eingeschränkt werden.
Die im Zusammenhang mit der Ausstellung immer wieder diskutierte Würde der Verstorbenen findet sich für mich als sittliche Wertempfindung im Kopf des Trauernden. Sie liegt weder im vermodernden Leichnam, in der Urnenasche noch in den Plastinaten. Insofern ist, soziologisch gesehen, der sichtbare Leichnam ein die Erinnerung wachhaltendes, mit zunehmender Verwesung nach und nach an Wert verlierendes »Trauersouvenir«, wenn einbalsamiert, ein »Trauerfetisch« (siehe z. B. das Lenin- oder Mao-Mausoleum). Darauf, dass der Leichnam selbst nichts mit der Würde zu tun hat, weist auch Benda hin, wenn er argumentiert: »Auch der tote Mensch behält seine Würde, aber es ist nicht sein Körper, dem Respekt gebührt, sondern das, was nach der Glaubensüberzeugung nicht sterblich ist und sich von dem Leichnam gelöst hat.«44 Damit verneint Benda die Würde für die Leiche und legt sie in die Seele des Toten. Sicherlich eine Alternative, wenn man die Existenz der Seele bejaht.Rechtliche Würdigung des Bestattungszwangs

Bestattungsrecht ist Ländersache. Für das Institut für Plastination in Heidelberg gilt somit das Baden-Württembergische Bestattungsgesetz.45 Eine Leichendefinition wird darin nicht gegeben. Alle Paragraphen, in denen das Wort »Leiche« verwendet wird, weisen aber inhaltlich darauf hin, dass der Gesetzgeber mit »Leiche« nur die verwesliche Leiche, den »Leichnam« für die Bestattung und für die anatomische Verwendung gemeint hat. Der Leichnam ist damit die »Leiche im Sinne des Gesetzes«.
In § 27 des Bestattungsgesetzes heißt es: »Ist eine öffentliche Leichenhalle vorhanden, so muss jede Leiche binnen 36 Stunden nach Eintritt des Todes, jedoch nicht vor Ausstellung der Todesbescheinigung, dorthin überführt werden.« und in § 37: »Jede Leiche muss bestattet werden.« Wie oben diskutiert, macht die unscharfe Leichendefinition das Plastinat jedoch nicht als bestattungspflichtige Leiche klassifizierbar. Dies zeigt auch die weltweit geübte Praxis im Umgang mit toten menschlichen Körpern, nach der eine Bestattungspflicht nicht für alle Leichen zwingend vorgeschrieben ist, sondern nur für solche, die nach obiger Klassifikation Leichname sind. Andernfalls gäbe es keine Museen, in denen Moorleichen, Mumien oder Skelettfunde gezeigt werden, keine dauerhaft konservierten Anatomieleichen und keine öffentlich zugänglichen Mausoleen. Das Argument, für Anatomieleichen gebe es einen – wenn auch zeitlich verschobenen – Bestattungszwang,46 ist in diesem Zusammenhang belanglos, weil die Dauer des Zeitaufschubs nicht festgeschrieben ist und völlig willkürlich in Abhängigkeit der Nutzbarkeit der Leiche angewandt wird; damit würde auch die Ausstellungsdauer von Plastinaten nicht begrenzt werden müssen. Der Umgang mit Feuchtleichen wie der Moorleiche oder der Gletscherleiche wird im Bestattungsrecht ebenso wenig geregelt wie der Umgang mit Trockenleichen, also Mumien, Skeletten und Gestaltplastinaten. Wären Trockenleichen Leichen im Sinne des Gesetzes, so müssten Skelette und Mumien bei zwischenstaatlichem Grenzübertritt Leichenpässe erhalten und in Zinksärge eingeschweißt werden, so wie es für Leichname (Bestattungsleichen) vorgeschrieben ist. Ebenso finden sich darin keine Vorschriften über die pathologische und die gerichtsmedizinische Sektion; diese sind in separaten Landesgesetzen geregelt. Bei toten Kleinleichen (Embryonen und Föten) und Teilpräparaten des menschlichen Körpers wird nur auf verwesliche Präparate Bezug genommen. So in § 30,2 BadWürtt.BestattVO: »Fehlgeburten, die nicht bestattet werden, und abgetrennte Körperteile sind hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend zu beseitigen.«Auch § 49 des Bestattungsgesetzes, der Ordnungswidrigkeiten behandelt, hat für Dauerpräparate keine Konsequenz. Dort heißt es: »Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig eine Leiche beiseite schafft oder der Bestattung entzieht.« Doch wie das Bestattungsgesetz nicht den Umgang mit Dauerpräparaten regelt, so verbietet es auch nicht die Transformation von verweslichen Leichen oder Leichenteilen in Dauerpräparate. Es gibt also keine gesetzliche Vorschrift, die das Transformieren von »Verwesungsleichen« in »Feucht- oder Trockenleichen« verbietet. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass es seit jetzt vierhundert Jahren möglich ist, aus Leichen Skelette herzustellen. So wie sich für den Präparator die Bestattungspflicht der Leiche durch die Skelettherstellung aufhebt, so entfällt für den Plastinator die Bestattungspflicht durch die Transformation zum Gestaltplastinat.


Die Transformation vom Leichnam zum Plastinat


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Körper des Spenders nach dem Tod eine Transformation vom Leichnam zur Trockenleiche erfährt. Noch bevor die Bestattung gesetzlich zu erfolgen hätte, wird durch das Herbeiführen der Unverweslichkeit, der Zweckbestimmung und der Anonymisierung die Transformation zum Präplastinat vollzogen, womit die Leiche ihre bestattungspflichtigen Eigenschaften verliert. Die Unverweslichkeit tritt zeitlich mit der Fixierung zur Plastination ein; dieser Prozess ist nach acht bis 24 Stunden nach Erhalt des Leichnams abgeschlossen. Durch die Präparation und den Plastinationsprozess wird das Präplastinat schließlich zum Gestaltplastinat. Dieser Vorgang benötigt einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu einem Jahr und ist mit der Härtung des Kunststoffes im Präparat (Kunststoffanteil ca. 70 Prozent) abgeschlossen.
Für den Wegfall der Bestattungspflicht ist wesentlich, dass der verstorbene menschliche Körper unverweslich und damit nicht mehr infektiös ist, dass eine Zweckbestimmung für die anatomische Lehre und Aufklärung wie für museale Ganzkörperpräparate vorliegt und dass eine Anonymisierung herbeigeführt wurde.


Zollbestimmungen


Abschließend seien die geltenden Zollbestimmungen für den internationalen Versand menschlicher anatomischer Dauerpräparate, Plastinate eingeschlossen, kommentiert, die entgegen einiger sensationslüsterner Medienberichte47 eindeutig und nachvollziehbar geregelt sind. Plastinate sind »Anatomische Sammlungsstücke« und werden deshalb unter der Zollklassifikationsnummer 97050000 versandt.48 Diese Zollnummer umfasst »Zoologische, botanische, mineralogische oder anatomische Sammlungsstücke und Sammlungen«. Weil Zollgesetze noch nicht durchgehend internationalisiert sind, kann es jedoch durchaus vorkommen, dass in Deutschland ein Plastinat als Anatomisches Sammlungsstück abgesandt, in Mexiko aber als »Medical Specimen«, vergleichbar Organen zu Transplantationszwecken, eingeführt wird. Beim Versand plastinierter Präparate ins Ausland ist es auch schon vorgekommen, dass Erklärungen abzugeben waren, wonach »Anatomische Sammlungsstücke« auch »menschliche und tierische Präparate im weitesten Sinne, für den menschlichen Verzehr nicht geeignet« sind. Auch als »Menschliche Folgeprodukte«, vergleichbar z. B. mit Urnenasche, oder als »Medikament« im weitesten Sinne, Blutkonserven vergleichbar, wenn auch fest und dauerhaft konserviert, wurden Plastinate schon zolltechnisch anderswo eingeführt.
Weltfremd erscheint das Argument, fixierte Ganzkörperpräparate müssten als Leichen deklariert werden, um per Leichenpass kontrollieren zu können, dass es sich nicht um Opfer von Verbrechen handele.49 Staatlicherseits wird nirgends kontrolliert, dass Leichen auch wirklich bestattet werden. Dies ist auch nicht nötig. Ist es doch geradezu das Problem von Mördern, Leichen nicht behalten, sondern loswerden zu wollen. Dazu taugt die dauerhafte Konservierung am wenigsten. So ist auch noch kein Fall von Leichenbeseitigung über den Umweg der Konservierung für Lehrzwecke bekannt geworden.


Anmerkungen
1 J. Hyrtl, Handbuch der praktischen Zergliederungskunst, Wien 1860.
2 H. Lippert, Die Inhumanität der Medizin und die Anatomie, in: Deutsches Ärzteblatt Heft 36, S. 2540 ff; Heft 37, S. 2615 f; Heft 38, S. 2700 ff (alle Jahrgang 1984).
3 G. von Hagens, Deutsches Patent 27 10 149 (1978); USA-Patente: 4,205,059 (1981), 4,244,992 (1981), 4,278,701 (1982), 9,320,157 u. a.; ders., K. Tiedemann, W. Kriz, The current potential of plastination. Review article, in: Anat. Embryol. 175 (1987), 411–421.
4 KÖRPERWELTEN. Die Faszination des Echten. Ausstellungskatalog, hg. vom Institut für Plastination, Heidelberg 9. Aufl. 2000, 15: Abb. 8 u. 9: Zwei ca. 200 Jahre alte anatomische Ganzkörperpräparate.
5 U. Bleyl, »Und was wir sind, das werdet ihr sein«. Zur Würde und Unantastbarkeit der plastinierten Toten. Editorial, in: Der Pathologe 19 (1998), 171–175.
6 S. Sarial, KÖRPERWELTEN – Ein Ausstellungserfolg aus psychoanalytischer Sicht, in: Zeitschrift für Klassische Psychoanalyse 16 (1998), 1.
7 Institut für Anatomie der Medizinischen Universität zu Lübeck (Hg.), Mitteilungen der Anatomischen Gesellschaft 2 (1998).
8 H. Eggebrecht, Mehr als Haut und Knochen, in: Märkische Oderzeitung vom 14.2.1998.
9 B. Brock, Symposium zur Ausstellung »KÖRPERWELTEN«, Vortrag in Gürzenich, Köln am 8.3.2000.
10 E. J. Wormer, Faszination Plastination, in: Orthopädie & Rheuma vom 1.4.2000.
11 U. Clewing, Makabres Arrangement zum Anfassen, in: TAZ, Tageszeitung vom 8.10.1998.
12 A. Krzok, ... werde ich auferweckt in einem neuen Körper, in: Der Weg (evangel. Wochenzeitschrift) vom 14.12.1997.
13 Eintragung im Gästebuch der Ausstellung »KÖRPERWELTEN« in Köln, Heumarkt (12.2.–31.7.2000).
14 R. Willemsen, Wir sind wieder wir, in: Süddeutsche Zeitung Magazin vom 9.6.2000. Kerstin war eine Teilnehmerin der ersten Staffel der TV-Reality Show Big Brother.
15 W. Wortreng, M. Meili, Sind die Augen wirklich echt?, in: Die Weltwoche vom 23.9.1999.
16 G. von Hagens, K. Tiedemann, R. Romrell, M. Ross, Farbatlas der Schnittanatomie, Stuttgart, Schwer 1991.
17 I. Vorpahl, Die Toten nicht der Neugier preisgeben, in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 18.11.1997, dort Zitat: Prof. Klaus Unsicker.
18 Eintragungen in den Gästebüchern der Ausstellung »KÖRPERWELTEN«.
19 E.-D. Lantermann, »KÖRPERWELTEN« im Spiegel der Besucher, in: Ausstellungskatalog »KÖRPERWELTEN« (wie Anm. 4), 211–218.
20 Sarial (wie Anm. 6).
21 Ebd.
22 Ebd.
23 Vgl. Lantermann (wie Anm. 19).
24 B. Tag, Symposium zur Ausstellung »KÖRPERWELTEN«, Vortrag Gürzenich, Köln am 8.3.2000.
25 Siehe Anm. 4, S. 18, Abb. 16: Tschechische Kirche mit Kronleuchter aus Knochen.
26 M. Brendel, Von den Heimlichkeiten der Natur, Berlin 1998, S. 17, Abb. 7.
27 U. Fischer, Wenn der Tod zum Spektakel wird, in: Ausstellungskatalog »KÖRPERWELTEN« (wie Anm. 4), 233–237.
28 I. Müller-Münch, Gruseln und Kommerz – ein Graus für die Geistlichkeit, in: Frankfurter Rundschau vom 26.1.2000; M. Stankowski, Hauptsache schön, in: Kölner Woche vom 10.2.2000.
29 Brockhaus-Enzyklopädie, 19. Aufl. Mannheim 1990; Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Mannheim 1971.
30 Deutsches Rechtslexikon, München 1992, 885.
31 J. Gaedke, Handbuch des Friedhofs- und Bestattungsrechts, Köln, München u. a. 7. Aufl. 1997, 119–122.
32 F. J. Wetz, Die Würde des Menschen, in: Ausstellungskatalog »KÖRPERWELTEN« (wie Anm. 4), 10. Aufl. 2000, 246. Vgl. auch seinen Beitrag in diesem Band.
33 Gesetz über Friedhofs- und Leichenwesen (Bestattungsgesetz), Gemeinde-Ordnung für Baden-Württemberg (21.7.1970, 23.7.1993, 7.2.1994).
34 C. Thiele, Plastinierte »KÖRPERWELTEN«, Bestattungszwang und Menschenwürde, in: Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht (NVwZ) 4 (2000), 405–408.
35 A. von Campenhausen, »KÖRPERWELTEN« verletzt das deutsche Recht, in: Rheinischer Merkur vom 10.3.2000.
36 E. Benda, Von der Vergänglichkeit zum Plastinat. Zur »KÖRPERWELTEN«-Ausstellung in Köln, in: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 24 (2000), 1769–1771, der im vorliegenden Band ebenfalls abgedruckt ist.
37 Gaedke (wie Anm. 5).
38 Ebd.
39 J. Suttcliffe, N. Duin, The Resurrection Men, in: A History of Medicine, New York 1992.
40 K. Wiltschke-Schrotta, Human remains on display B curatorial und cultural concerns. Tod und Museum. Vortrag im Pastoralzentrum Bozen am 3.6.2000.
41 Fernsehsendung: Südwest 3 vom 20.3.1989, Reihe Abenteuer Wissenschaft: »NS-Präparate – Präparate von NS-Opfern als Unterrichtsmaterial ...«.
42 Lippert (wie Anm. 2).
43 Gaedke (wie Anm. 5).
44 Benda (wie Anm. 36).
45 Siehe Anm. 31.
46 Vgl. Thiele (wie Anm. 34).
47 Fernsehsendung: 3sat vom 5.1.2000: »Die Leichenshow«.
48 Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik,  Ausgabe 1998 des Statistischen Bundesamtes.
49 Leichenshow (wie Anm. 47).