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Auch wenn ein großes deutsches Lexikon (19. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie, 1992) den Begriff "Plastination" aus dem Griechischen ableitet (von plassein = bilden, formen), ist er eine Wortneuschöpfung von Gunther von Hagens. Sie erfolgte, weil der Begriff "Plastifizierung" in der Kunststoffchemie bereits anderweitig belegt und die ursprüngliche Bezeichnung "Kunststoffimprägnierung biologisch-verweslicher Präparate" in den grundlegenden Patenten von 1977/78 wenig griffig sowie – insbesondere im Ausland – gänzlich ungeeignet für die Verbreitung der neuen Technologie war.
Im Folgenden werden wir Ihnen erklären, wie die Plastination funktioniert. Dabei stellen wir das Verfahren zunächst allgemein verständlich dar, gehen aber auch für die besonders Interessierten genauer auf die angewandten chemischen Stoffe und Prozesse ein. Die Plastination ist ein Verfahren, in dem sich die medizinische Disziplin der Anatomie und die moderne Kunststoffchemie vereinen. Sie ermöglicht die naturgetreue Konservierung nicht nur einzeln herauspräparierter Gewebe und Organe von Verstorbenen, sondern auch ganzer Körper. Das Plastinationsverfahren entzieht den Bakterien die
Lebensgrundlage, indem es Wasser und Fette aus dem Gewebe entfernt und
durch Kunststoffe ersetzt. Dieser Austauschprozess lässt sich aber
nicht direkt durchführen, weil die körpereigenen Stoffe und die
Kunststoffe sich chemisch nicht vertragen. Wie die meisten Erfindungen ist auch die Plastination im Prinzip
einfach. Um ein Präparat dauerhaft zu machen, muss es vor der Verwesung
bewahrt werden. Die Verwesung ist ein natürlicher Prozess, der zunächst
durch die nach dem Tode frei werdenden Zellenzyme eingeleitet und im
weiteren Verlauf durch die Besiedlung von Fäulnisbakterien und anderen
Kleinstlebewesen vollzogen wird. Daher erfand Gunther von
Hagens einen "Umweg: In einem ersten Austauschschritt werden das Wasser
der Gewebeflüssigkeit (daraus besteht der Mensch zu rund 70%) und die
Gewebefette durch Aceton, ein leicht verdunstendes Lösungsmittel,
ersetzt. Im zweiten Schritt wird das Aceton gegen eine Kunststofflösung
ausgetauscht. Der erste entscheidende Trick, mit dem man den
flüssigen Kunststoff bis in die letzte Zelle zu schleusen vermag, ist
die so genannte "forcierte Vakuum-Imprägnierung". Das Präparat wird in
eine Vakuumkammer gelegt und das Lösungsmittel zum Sieden gebracht. Das
aus dem Gewebe ausgasende Aceton wird unentwegt abgesaugt, und der im
Präparat entstehende Unterdruck sorgt für das Eindringen der
Kunststofflösung. Dieser Austausch wird so lange fortgesetzt, bis das
gesamte Gewebe vollständig durchtränkt ist. Er dauert bei dünnen
Körperscheiben nur Tage, bei ganzen Körpern hingegen Wochen. Der
zweite Trick ist die Auswahl des richtigen Kunststoffs. Dabei finden so
genannte Reaktionskunststoffe Verwendung, d. h. Kunststoffe, die unter
bestimmten Bedingungen (z. B. im Licht, durch Zugabe von Wärme oder von
Gasen) für immer aushärten (sog. Polymerisation). Sie müssen sämtlich
niedrigviskos, also sehr flüssig, vergilbungsbeständig und
selbstverständlich gewebeverträglich sein. Der entsprechende Kunststoff
bestimmt, wie das fertige Präparat sich anfühlt und wie es aussieht.
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Das Verfahren der Plastination wurde durch eine Reihe von Patenten in Deutschland, Großbritannien, Belgien, Südafrika, Österreich und den USA geschützt.
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